Fränkische Bierkultur … oder Zentrum des Craft Beers?!

Die neue Lust auf ausgefallenen Biergenuss oder traditionelle, handwerkliche Braukunst seit Jahrhunderten in familiären Kleinbrauereien?! Craft beer kann man auf verschiedene Weise verstehen, doch eines haben alle Definitionen gemeinsam: Die Leidenschaft für Biergenuss und der Spaß am handwerklichen Bierbrauen!

Ist erst alles gleich geschaltet und sind nur noch wenige große Hersteller mit geschmacksgleichen Produkten am Markt vertreten, dann regen sich kreative Individualisten, ja Querdenken und entdecken Altes und Natürliches auf´s Neue. Sie begeistern mit Ihrer Liebe zu ihren Produkten und durch ihrer Authentizität immer neue Meinungsführer und bereichern den Markt.

Vor ca. 30 Jahren brauten Bierliebhaber in den USA und England wieder ganz klein, unabhängig und oft in den eigenen vier Wänden (sog. homebrewers) sehr ausgefallen und geschmacksintensive Biere entgegen dem Mainstream. Sie experimentieren mit hochwertigen Rohstoffen wie Neuzüchtungen von Hopfen, Verwendung besonderer Braumalze oder ungewöhnlichen und neuen Brauverfahren. So entsteht immer wieder eine neue Vielfalt und Einzigartigkeit an charaktervollen Bieren und weckt Interesse und Begehrlichkeit. Man genießt Bier sehr bewusst mit allen Sinnen und löscht nicht nur den Durst oder sucht den Alkoholrausch.

Auch in Deutschland bekommt die neue Bewegung in den Metropolen Schwung. In Berlin entstehen um 2005 wieder kleine Hausbrauereien mit ausgefallen Bieren. Im März 2013 eröffnen die Bierliebhaber und Getränkefachgroßhändler Oliver und Fritz-Dieter Nordmann im Hamburger Schanzenviertel das Braugasthaus „Altes Mädchen“ mit angeschlossenem craft beer store und bieten in einem Gasthaus neben ihrem selbst gebrauten Bier 60 weitere Bierspezialitäten aus aller Welt an. Selbst die Bierstadt München hat ein neues craft beer house.

Was andernorts im Bierland Deutschland aufgrund der Zusammenschlüssen zu Großbrauereien und Monomarken verloren gegangen ist und erst als neudeutsch „craft brewery“ wiederentdeckt werden muss, hat sich im nördlichen Teil Bayerns noch sehr gut erhalten. Mit mehr als 250 Brauereien hat Franken wohl die höchste Brauereivielfalt der Welt!! Die Liebe zu ihrem Berufsstand wurde in den meisten Fällen seit mehreren Generationen weitergegeben und unsere jungen Brauer und in jüngster Zeit auch unsere Brauerinnen zeigen durch Kreativität und Bürgernähe, dass das Brauerhandwerk nicht angestaubt und neuen Bierspezialitäten wie z.B. „Holladiebierfee“ richtig gefragt sind!
Diese Vielfalt an geschmacklich so unterschiedlichen Bieren – von einem einfach als „Vollbier“ (=Helles oder Export ähnlich) bezeichneten sehr süffigen Bier über die würzigen Keller-, Zwick´l oder ungespundenen Biere oder einem Pils, einem Weißbier, einem Braunbier … bis hin zum saisonal meist im Herbst ausgeschenkten Bockbier – heißt es zu bewahren, zu fördern und ins rechte Licht zu rücken!

Es ist schon bezeichnend, dass sich ausgerechnet in Franken diese Vielfalt erhalten hat, lässt sich doch der Franke an sich nicht richtig in eine Schublade bringen. Echte Franken werden als wendig und altfränkisch auch als „beharrlich“ beschrieben. Im Sinne des kleine Völkchens der Gallier, das sich nicht vom „großen Römerreich“ ohne weiteres unter kriegen lässt*, verleihen die drei Regierungspräsidenten aus Ober-, Unter- und Mittelfranken alljährlich den Frankenwürfel für das Wendige, Witzige und auch das Widersprüchliche:

„Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen, so ist der gewürfelte Franke zu sehen!“

(Craft Beers = frei „übersetzt“ = „Creatives & Raffinesse aus Frankens Traditionsbrauerei“)

* nach Asterix und Obelix, zwei echte „Ur-Franken“ ;-)